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Nachstehend finden Sie die aus dem Jahre 2006 für die Landeskommission erarbeitete Kurzdarstellung unserer Ortschaft Lüttingen. Allen Vereinen und Personen die an der Kurzdarstellung mitgewirkt haben ein herzliches Dankeschön.
Verantwortlich Josef Bours
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Lüttingen, Stadt Xanten, Kreis Wesel im Jahre 2006
Kurzdarstellung von Lüttingen als Angaben zu den Bewertungsbereichen 1 – 6
Konzeption und deren UmsetzungLüttingen ist ein Ortsteil der Stadt Xanten auf einer Fläche von 5 qkm mit 2.116 Einwohnern. Xanten - am 31.12.2005 22.056 Einwohner mit einer Gesamtgröße von 72,39 qkm - liegt im westlichen Teil des Kreises Wesel in der Region `Linker Niederrhein`. Bei der Altersstruktur ergibt sich das folgende Bild: unter 18 Jahren 487 Personen, von 18 bis 60 Jahren 1.368 Personen, über 60 Jahren 261 Personen. In Lüttingen wohnen 379 Neubürger, d.h. das Verhältnis von Alteingesessenen zu Neubürgern beträgt ca. 4,5 zu 1. Kirche, Pfarrhaus, Gemeindezentrum, Kindergarten, die dreizügige Hagelkreuz-Grundschule, die Turnhalle und unser attraktiver Dorfplatz mit Pavillon, dessen Ausbau vom Amt für Agrarordnung gefördert wurde, und die „Apostelsäule“ bilden den Dorfkern. Im Zuge des Strukturwandels hat der Ort in den letzten Jahren zunehmend Wohnfunktion übernommen, wobei er sich von einem ursprünglich eher durch die Landwirtschaft und die Fischerei geprägten Ort inzwischen zum attraktivsten `Wohndorf` unserer Stadt in einer Entfernung von ca. 1,5 km zum Zentrum Xantens entwickelt hat. Der Straßenausbau und die Wohnumfeldgestaltung sind dem typisch dörflichen Charakter angepasst. Der Straßenverkehr im Dorf ist verkehrsberuhigt (30-km-Zone, Rechts vor Links). Ein Stadt- und Dorfentwicklungskonzept, aufgestellt im Jahre 2003, hat die Voraussetzungen für die Zukunft geschaffen. Eine Hauptaufgabe der Stadt- und Dorfentwicklung besteht darin, die eigenständige Identität der Ortsteile zu erhalten.
Wirtschaftlich Entwicklung und InitiativenLüttingen ist im ÖPNV mit der Buslinie SL 40 gut an Xanten angebunden; das ist wichtig für die älteren Bürger, z. B. auf ihrem Weg zu Ärzten, zum Krankenhaus, zum Einkaufen usw.. Eine unfassende Versorgung mit elektrischer Energie (RWE), Erdgas (NGW) und mit Trinkwasser (Kreiswasserwerk) ist vorhanden. Zur Abwasseraufbereitung gibt es in Lüttingen ein Zentralklärwerk der Stadt Xanten. Bei der Abfallentsorgung hat sich ein gut funktionierendes Sortiersystem mit regelmäßiger Restmüll-, Glas-, Wertstoff-, Papier-, Grünschnittentsorgung durch die Stadt und die private Kompostierung im eigenen Garten seit Jahren bewährt. Sehr wichtig für die Verkehrsanbindung ist der für 2007 vorgesehene Ausbau der Salmstraße als Hauptzufahrtstraße nach Lüttingen im Zuge der Realisierung der Nord-Westumgehung. Bis zur Innenstadt sind es nur 1,5 km; hier ist die Komplettversorgung für alle Bürger umfassend gewährleistet. So hat Lüttingen durch seine Lage, durch die weitsichtige, planerische Entwicklung und durch seine funktionelle Infrastruktur eine hohe Wohnqualität für Jung und Alt erreicht. In Lüttingen gibt es 101 Arbeitsplätze. Hauptarbeitgeber sind ein Möbelhaus, eine Umweltfirma, eine Tierärztin und die Sparkasse; weiterhin gibt es 2 Bäckereien mit kleinerer Lebensmittelversorgung; in der Landwirtschaft existieren noch 4 Vollerwerbs- und 2 Nebenerwerbsbetriebe mit insgesamt 15 Beschäftigten. Auch werden Ferienwohnungen angeboten, die für Lüttingen wegen seiner attraktiven Lage - im Westen und Norden die ruhigen Erholungsräume, im Osten und Süden die Landschafts- und Naturschutzgebiete - große Bedeutung erlangt haben und sehr gut frequentiert sind.
Soziales und kulturelles LebenFrauenarbeitsplätze gibt es in den landwirtschaftlichen Betrieben, in den Kindergärten, in der Hagelkreuzschule, in den Gaststätten, im Möbelhaus und in einem Verlagsbetrieb. Durch die vielfältigen Aktivitäten der Gruppen und Vereine, in denen sich die Neubürger ebenfalls einbringen und durch die Aktionen in den Dorfgemeinschaften sind die Neubürger/innen voll ins Dorfleben integriert. Über die beiden Kindergärten am Ortseingang und in der Mitte Lüttingens ergeben sich weitere integrierende Momente. In den vier Gruppen werden 100 Kinder aus Lüttingen von 10 Personen (6 Erzieherinnen, 1 Kinderpflegerin, 1 Ergänzungskraft, 2 Reinigungskräfte) betreut. In einem Behindertenwohnheim werden 30 behinderte Menschen von 24 Personen liebevoll umsorgt. Viele Bürger sind in Heimat- und Bürgerverein, Schützenbruderschaft, Sportverein, Chorgemeinschaft, Feuerwehr u.a. organisiert. Das Zusammenwirken dieser Vereine bei der Erhaltung der dörflichen Struktur, der historischen Bausubstanz, sowie bei der Entwicklung gemeinsamer Initiativen und Veranstaltungen ist gerade in den letzten 5 Jahren bemerkenswert gewesen. Es ging ein spürbarer Schub durch unseren Ort: Dazu zählen die Erneuerung des Pavillons am Dorfplatz durch den Heimat- und Bürgerverein in Eigeninitiative, der zur Zeit durchgeführte Anbau des Kindergartens durch die Pfarrgemeinde, der Anbau an das Feuerwehrgerätehaus durch die Bruderschaft und die Ausgestaltung des Schützenplatzes. All dies wurde in Eigenleistung geschaffen. Der Anbau an das Vereinsheim, die Berieselungsanlage auf dem Sportplatz, der Neubau der Dusch- und Toilettenanlage wurden ebenso mit Muskelhypothek realisiert. Einen hohen Stellenwert hat vor allem auch die Jugendarbeit des SSV Rheintreu Lüttingen mit inzwischen 18 Mannschaften! Zentrale Begegnungsstätten der Bürgerinnen und Bürger sind unser Gemeindehaus, unsere dreizügige Grundschule mit 300 Schülern in 12 Klassen mit multifunktionalem Forum, sowie die attraktive Sportplatzanlage unseres Sportvereins. Die Arbeit der rund 20 Gruppen und Vereine hat ihre Schwerpunkte in der Pflege von Brauchtum und Geselligkeit, im Sport, in Kultur und Weiterbildung, sowie im sozialen Engagement. Besonders der Heimat- und Bürgerverein setzt sich mit großem Erfolg ganz besonders für Dorfverschönerung, Heimatgeschichte und Kultur-Veranstaltungen ein. Das traditionelle Schützenfest der St. Pantaleon Schützenbruderschaft 1721 e.V., das Jugendzeltlager des Tambourkorps in den Ferien und der Martinszug, an dem sich rund 500 Kinder aus der näheren und weiteren Umgebung beteiligen, haben überörtliche Bedeutung hinsichtlich der Brauchtumspflege. Nach alter Sitte und Tradition werden bei Sterbefällen die Gräber auf dem Friedhof in Nachbarschaftshilfe ausgehoben und wieder hergerichtet.
Baugestaltung und deren EntwicklungDie geschichtlichen Ursprünge unseres Dorfes reichen zurück bis in das Jahr 965. Die über 1000-jährige Geschichte Lüttingens (1965 Tausendjahrfeier) haben wir dem Kölner Erzbischof Bruno zu verdanken, der im Jahre 965 auf der damaligen Rheininsel ein Kloster ,,Lidron“, später Lüttingen, gründete und diesem die Ländereien in dieser Gemarkung vermachte. In Lüttingen wurde damals hauptsächlich Landwirtschaft und Fischerei betrieben, entwickelte sich aber im Laufe der Jahrhunderte durch die Nähe zur Stadt Xanten zu einem Ort mit hauptsächlich Wohnfunktion. Viele ehemalige Funktionsgebäude aus Landwirtschaft und Fischerei haben heute eine weitgehend neue außerlandwirtschaftliche Bedeutung erhalten, indem sie hauptsächlich als Wohnraum, aber auch für gewerbliche Zwecke genutzt werden. Einige Baudenkmäler sind in die Denkmalliste der Stadt Xanten eingetragen. Dazu gehören: die Pfarrkirche St. Pantaleon, die ehemalige Volksschule - jetzt Kindergarten, Hagelkreuzstraße, das Hagelkreuz und am Mölleweg das Hallenhaus. Besonders zu erwähnen ist die 1858 von Lüttinger Fischern im Rhein gefundene Bronzestatue des „Lüttinger Knaben“, eine der Attraktionen im Berliner Pergamon Museum, und die nach Originalplänen rekonstruierte Fischerhütte Pärdendyck an der Südsee durch den Heimat- und Bürgerverein. Lüttingen gehörte einst mit der Ortschaft Wardt und den Bauernschaften Mörmter, Ursel und Willich zur damaligen Gemeinde Wardt. Diese wurden im Zuge der Gemeindereform 1969 in die Stadt Xanten eingegliedert. Dabei wurde Lüttingen zu einem eigenständigen Ortsteil innerhalb unserer Stadt. Zwischen der Dr.-Cornelius-Scholten-Str. und der Dechant-Bens-Str. entstand im Jahre 1998/99 ein Neubaugebiet, durch das sich der eher länglich gezogene Ort enger zusammenfügte. Lüttingen wuchs so um ca. 300 Einwohner. Im Jahre 2002 kam noch das kleine Baugebiet ,,Hohe Weide“ mit 15 Baustellen hinzu. Mittel- und langfristig ist nun eine Bebauung für den Eigenbedarf der Dorfbewohner/innen vorgesehen. Dabei gilt es, zukünftig Baulücken im Ort zu schließen. Insgesamt sind wir mit dieser infrastrukturellen Entwicklung sehr zufrieden. Sie ist frei von zu intensiver Freizeitnutzung durch die FZX. Auch wenn unmittelbar vor Lüttingen gleich neben dem APX ein Hafen entsteht, kann er nur von der Stadtseite aus angefahren werden. Trotzdem können alle Anlieger und Dorfbewohner die Freizeitfläche der Südsee für sich nutzen. Durch die Nähe zur Stadt mit ihrem hohen kulturellen Angebot ergibt für uns eine insgesamt sehr hohe Lebensqualität.
Grüngestaltung und deren EntwicklungGroße Bedeutung für die Grüngestaltung des Ortes haben das Naturschutzgebiet `Haus Lüttingen` mit großen Flächen nach der Ramsar-Konvention, der Rhein mit seiner Auenlandschaft, das Landschaftsschutzgebiet `Clossenwoy`, sowie die renaturierten Uferrandzonen an der Südsee. Weitere Schwerpunkte sind die Grünanlage rund um den Schützenplatz, am Feuerwehrgerätehaus, am Sportplatz, an der Kirche, im Umfeld von Schule und Turnhalle, am Ehrenmal und im Bereich des Friedhofs. Dieser heute noch genutzte, sehr liebevoll gestaltete Friedhof unmittelbar neben der Kirche wurde vom Heimat- und Bürgerverein mit einem ansprechenden Baumbestand versehen. Der gestaltete Schützenplatz, dessen Bepflanzung mit Bäumen und Sträuchern durch den Kreis Wesel gefördert wurde, die Bäume und Sträucher rund um den attraktiven Dorfplatz als Mittelpunkt, das dörfliche Ensemble im Umfeld des Pantaleonshofes mit einer Platanenallee mitten im Dorfkern sind Ortsbild prägende Elemente. Die Straßen des Neubaugebietes zwischen der Dr. Cornelius-Scholten-Str. und der Dechant-Bens-Str. tragen die Namen des alten Lüttingens, wie Pärdendyckweg, Reusenweg und Treidelweg. Hier gibt es, wie in vielen Lüttinger Straßen, Pflanzbeete, die in Patenschaften von den Anwohnern gepflegt werden. Straßenbegleitgrün ist überall vorhanden. Die Nutz- und Ziergärten in unserer Ortschaft Lüttingen sind sehr individuell gestaltet; sie unterstützen so den dörflichen Charakter und dienen der Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität; sie tragen außerdem zur Förderung naturnaher Lebensräume für die Tier- und Pflanzenwelt innerhalb des Dorfes bei. In vielen Gärten gibt es kleine Teiche. Im Ortsbild, aber auch an Einzelhöfen, fallen die Fassadenbegrünungen auf. Mehrere `Pädkeswege`, mit Hecken eingefasst, ziehen sich durchs Dorf. Die Fischerstraße, die letzte noch unverkennbar typische Dorfstraße mit zwei bewirtschafteten Höfen und Wohnhäuser mit großen Gärten, die zumeist noch als Nutzgärten für Gemüse- und Obstanbau genutzt werden, haben Ortsbild prägenden Charakter und bilden kleine Ökosysteme, ebenso der Rheindeich, der sich östlich von Lüttingen über ca. 3 km erstreckt. Viele Lüttinger Häuser sind auf seiner gesamten Länge nahe an den Deich gebaut; hier bietet sich den Anwohnern ein herrlicher Ausblick auf das dahinterliegende Naturschutzgebiet `Haus Lüttingen` und auf die `Ramsar-Flächen`, sowie auf die Rheinauen.
Ort in der LandschaftDas Dorf Lüttingen hat eine traumhafte, einzigartige Lage innerhalb der Niederrheinischen Landschaft, im Norden die Südsee mit herrlichem Ausblick hinüber zur 2004 erbauten Jugendherberge und zum Freizeitzentrum. Im Osten entlang Lüttingens liegt der Deich, im Süden die von Wald umsäumte Kläranlage und das Landschaftsschutzgebiet `Clossenwoy` und im Westen das freie, landwirtschaftlich genutzte Lüttinger Feld mit dem unvergleichlichen Panoramablick auf den Fürstenberg, weiter über die Silhouette unserer Stadt Xanten bis hin zur Arena des Archäologischen Parks. Dieser Bereich ist für die Zukunft eine sehr wertvolle, wohnungsbauliche Entwicklungsfläche als Bindeglied zwischen Xanten und Lüttingen. Zur Erhaltung des dörflichen Charakters unterstützt die Mehrheit der Lüttinger Bürger eine GEP-Änderung in diesem Bereich für eine weitere, begrenzte Abgrabung von ca. 35 ha. Die nach der Auskiesung entstehende Wasserfläche soll der ruhigen Erholung und dem Erleben der Natur für Anwohner und Gäste dienen. Es werden nach der Renaturierung Wanderwege entstehen und die Verbindung nach Xanten erhalten bleiben. Das könnte für Lüttingen eine große Chance bedeuten: auf der einen Seite im südöstlichen Bereich die Landschafts- und Naturschutzräume, auf der anderen Seite im Westen und Norden der Dombogen und die Südsee mit hohem Erholungswert ohne intensiver, touristischer Nutzung. Wenn man sich in diesen Tagen auf den Deich stellt und übers Naturschutzgebiet in Richtung Rhein schaut, anschließend über den attraktiven Schützenplatz spaziert, vorbei am Ortsbild prägenden, dörflichen Ensemble rund um den Pantaleonshof bis hin zu den wenige Meter entfernten Rad- und Spazierwegen mit gestalteten Uferzonen des Dombogens, was ist das für eine unglaubliche Möglichkeit, auch diesen Bereich fortzuentwickeln und allen Bürgern in der Zukunft als weiteren Erholungsraum zu erschließen! |