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Die Geschichte Lüttingens PDF Drucken

Gründung

Die Begründung Lüttingens geht auf eine Schenkung des Kölner Erzbischofs Bruno im Jahre 965 zurück. Er vermachte der Benediktiner-Abtei St. Pantaleon in Köln seinen Hof "Lidron"=Lüttingen. Die Mönche ließen sich hier nieder, besiedelten das Gebiet und errichteten ein Heiligtum unter dem Patronat des heiligen Pantaleon.

Die jetzige Lüttinger Kirche, deren Turmhelm im zweiten Weltkrieg abgesprengt wurde, erstand um 1473, der Chorbau ist älter und wurde immer wieder auf den ältesten Fundamenten aufgebaut.


Die Lüttinger Fischerei

Neben der Landwirtschaft war der Fischfang über Jahrhunderte die Lebensgrundlage der "Lüttingse Prekke" wie die Bewohner hier scherzhaft in Anlehnung an früher besonders zahlreich gefangene Neunaugen heute noch genannt werden. Die erste urkundliche Erwähnung der Lüttinger Fischerei stammt aus dem Jahre 1236.
Sechs Lachsfischer, nämlich Johann Furtz, Hermann Roesen, Peter Terhorst und Hannes van Holt aus Lüttingen sowie Heinrich Prast und Wilhelm Giesen aus Bislich entdeckten im Jahre 1858 den sogenannten "Lüttinger Knaben", einen in Bronze gegossenen nackten Knaben mit lockigem Haar von seltener Schönheit - vermutlich aus der Römerzeit. Die geschäftstüchtigen Fischer stellten den Knaben gegen Eintrittspreis aus, bedeckten das Geschlechtsteil mit einem Lendenschurz und forderten von jedem Besucher, der den Lendenschurz zu heben wünschte, zusätzlich zwanzig Pfennige. Ein örtlicher Gendarm verbot den Fischern die willkommenen Nebenverdienste - schließlich kam der "Lüttinger Knabe" ins Pergamon-Museum nach Berlin, wo er heute noch unter der sehr allgemeinen Bezeichnung "Niederrheinischer Knabe" zu sehen ist.
Eine Abbildung des "Lüttinger Knaben" hat der Heimat- und Bürgerverein Lüttingen in eigener Regie gefertigt und in einem Rondell vor dem Dorfplatz aufgestellt.

Der 2. Weltkrieg

Lüttingen wurde, wie viele andere Orte am unteren Niederrhein auch, stark zerstört. Im Verlauf des Krieges kam es zunächst vereinzelt zu Bombentreffern. Lüttingen war nicht eigentliches Zielgebiet, lag aber in der Einflugschneise zum Ruhrgebiet. Mussten Flugzeuge der Alliierten sich ihrer Bombenlast entledigen, konnte es immer mal wieder zu Treffern kommen. Dies war natürlich nicht zu vergleichen mit den Flächenbombardements, unter denen die Großstädte zu leiden hatten. Trotzdem waren Opfer in der Zivilbevölkerung zu beklagen.Schlimmer traf es den Niederrhein kurz vor Ende des Krieges. Zwischen Rheinberg und Rees wurde eine der größten Militäroperationen der Alliierten durchgeführt, der Rheinübergang. Die amerikanischen Streitkräfte unter Eisenhower kamen aus Richtung Aachen. Die britischen und kanadischen Verbänden waren unter der Leitung von Montgomery von Kleve aus südlich vorgestossen. Die Brücke bei Wesel war eine der letzten intakten Verbindungen über den Rhein und wurde erbittert verteidigt. Insbesondere Montgomerys Truppen stießen auf starken Widerstand.Nachdem der größte Teil der deutschen Truppen auf die andere Rheinseite gebracht worden war, wurde die Brücke am 10. März 1945 gesprengt.Bei den Alliierten liefen darauf hin die Vorbereitungen für die Operation Plunder, dem Rheinübergang an. Der größte Teil der Zivilbevölkerung aus dem Angriffsabschnitt, etwa 24.000 Personen, wurde in Bedburg Hau in Notunterkünften und Zelten einquartiert.
Am Abend des 23. März wurde die Rheinüberquerung im Bereich von Rees begonnen. Im Lüttinger Abschnitt starteten die Kampfhandlungen am frühen Morgen des 24. März. In diesem Bereich waren vier britische Bataillone stationiert:

    * 6. Btl. King's Own Scotish Borderers
    * 7. Btl. Seaforth Highlanders
    * 8. Btl. Royal Scots
    * 44. Btl. Royal Tank Regiment

Die Überquerung erfolgte mit Sturmbooten und Schwimmpanzern. Um 10:00 morgens waren das auf der anderen Rheinseite liegende Dorf Bislich, sowie die umliegende Gehöfte fest in britischer Hand.
Zu diesem Zeitpunkt begann der zweite Teil des Rheinübergangs. Mittels einer gewaltigen Luftlandeoperation setzten die Alliierten etwa 21.000 Soldaten hinter den deutschen Linien ab. Am 27. März waren die Kämpfe bis auf wenigen Ausnahmen abgeschlossen.
Bereits kurz nach Beginn des Rheinübergangs war mit dem Bau von Behelfsbrücken begonnen worden. Eine davon befand sich zwischen der Beek und dem Bislicher Fährkopf, ungefähr dort wo sich heute die Personenfähre befindet. Diese Brücke wurde am 25. März um 16:30 in Betrieb genommen. Der Rheinübergang wurde vom englischen Premierminister Winston Churchill beobachtet. Am 26. März fuhr er über die neue Brücke nach Bislich. Dort entstand das folgende Foto, das ihn beim Frühstück mit den Feldmarschällen Montgomery und Alanbrooke zeigt. Das Gebäude im Hintergrund auf der anderen Rheinseite ist die Fischerhütte am Pärdendyck.

1965 Die Tausendjahr-Feier

Im Jahre 1965 wurde die Tausendjahrfeier des Fischerdorfes Lüttingen nach zweijähriger Vorbereitung über eine Woche lang festlich begangen. Die Grundschule war mit einbezogen. Jung und alt waren mit Feuereifer dabei, die Heimatzeitungen berichteten über Monate in großer Aufmachung und zur Festfeier prangte der ganze Ort in prächtigem Fahnen-, Festbögen- und Girlandenschmuck. Hauptereignis war ein großer Festzug mit Wagen und Fußgruppen in historischen Gewändern vor über 10.000 Besuchern von nah und fern. Damals zählte Lüttingen 977 Einwohner und fast jeder kannte jeden. Inzwischen ist das Fischerdorf auf fast die dreifache Einwohnerzahl angewachsen und stets bemüht geblieben, die Neubürger zu integrieren. Vereine und kirchliche Organisationen ermuntern die Neubürger zum Mitmachen und laden ständig dazu ein.

Wappen

Das Lüttinger Wappen zeigt einen springenden Salm, der auf die früher Lüttinger Fischerei verweist. Der grüne Hintergrund verweist auf die Landwirtschaft als Haupterwerbszweig. Die Farben rot und goldgelb des Fisches verweisen auf die Zugehörigkeit zum ehemaligen Herzogtum Kleve.

 

 

 


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